Rosenkreuzerspruch

Rosenkreuzerspruch


«Ex deo nascimur - In Christo morimur - Per spiritum sanctum reviviscimus»

(Aus dem Gotte sind wir geboren - In dem Christus sterben wir - Durch den Heiligen Geist werden wir auferstehen).

Das Karma der Unwahrhaftigkeit

Zeitgeschichtliche Betrachtungen
Das Karma der Unwahrhaftigkeit

Aber wir sehen es ja an unserer eigenen Gesellschaft, wieviel Widerstand von den einzelnen geleistet wird, wenn es sich darum handelt, den einfachen Gang der Wahrheit zu gehen.
 GA 173 - Seite 319

http://fvn-archiv.net/PDF/GA/GA173/GA173-319.html

Leistungsethik

Paradigmen


Von der anthroposophischen Leistungsethik zum Kulturbeitrag...

Golgatha und der Gral

Golgatha und der Gral


Mit dem Ereignis auf Golgatha, als das Blut floß aus den Wunden
des großen Erlösers, als das kosmische Herzensblut die Erde durchdrang
und seine Kräfte sich bis in den Mittelpunkt ergossen, da wurde
die Erde leuchtend, von innen heraus strahlte Licht aus in ihre Umgebung.
Da wurde auch die Möglichkeit gegeben für jede menschliche
Individualität, in sich selber dieses Licht zu erleben. Als die
Erde der Leib des großen Sonnengeistes wurde, indem er sie mit seinen
Geisteskräften durchdrang, da wurden alle Wesen auf Erden
ebenso mit diesen Kräften begabt. Es war der Keim gelegt zur Wiedervereinigung
von Sonne und Erde. Der physische Leib des Jesus
von Nazareth war der Vermittler, durch welchen die Kräfte aus dem
Kosmos sich mit der Erdenaura verbanden. Und als das Blut aus diesem
Leibe floß auf Golgatha, da wurde die Erde wieder in die Sonnenkraft
aufgenommen. Seitdem strahlt diese Christus-Kraft von
ihrem Mittelpunkte in die Umgebung hinaus, und aus der Sonne
strahlt die Christus-Kraft in die Erde hinein. Der Mensch kann diese
Kraft, dieses Licht erleben in sich selber als Erdenmensch, wenn er
sich erkennt als einen Teil der Erde, die als physischer Leib des

Christus durchdrungen ist von seiner Wesenheit. Dann leuchtet in
ihm das weiße Licht aus seinem Innern entgegen, wie es aus dem
Mittelpunkt der Erde herausstrahlt.
Es kann der Mensch die Christus-Kraft und das Christus-Licht
auch so erleben, wie es von außen herantretend ihn bestrahlt und
durchdringt mit höherem Leben. Dann umgibt und durchdringt es
ihn, wie es, aus der Sonne hineinstrahlend, die Erde durchlebt. Dann
fühlt sich der Mensch im Geiste vereint mit dieser Sonnenkraft, er
empfindet sich wie von seinem Herzen heraus zusammenwachsend
mit dem großen kosmischen Herzen. Als ein höheres Wesen, lebend
in dieser geistigen Sonne, erkennt er sein wahres Selbst, so verbunden
mit ihr, wie er als Erdenmensch mit der Erde selber verbunden
ist. Und wie die Sonnenkräfte die Erde durchleuchten und beleben,
so durchleuchtet und durchlebt dieses höhere Wesen den Erdenmenschen
mit seinen Kräften.
In dem Tempel des menschlichen Leibes befindet sich ein Heiligstes
vom Heiligen. Viele Menschen leben in dem Tempel, ohne etwas
davon zu wissen. Aber die, welche es ahnen, erhalten dadurch
die Kraft, sich so zu läutern, daß sie in dieses Heiligste hineingehen
dürfen. Da befindet sich das heilige Gefäß, welches durch Zeitepochen
hindurch vorbereitet wurde, auf daß, wenn die Zeit käme, es
fähig sein könne, das Christus-Blut, das Christus-Leben in sich zu
enthalten. Wenn der Mensch hineingegangen ist, so hat er auch den
Weg gefunden zu dem Allerheiligsten in dem großen Erdentempel.
Auch da leben viele auf der Erde, ohne davon zu wissen; aber wenn
der Mensch in seinem innersten Heiligtum sich gefunden hat, so
wird er auch da hineintreten dürfen und finden den Heiligen Gral.
Wie aus wunderbar glitzernden Kristallen geschliffen, welche Symbole
und Buchstaben formen, wird sich ihm das Gefäß zunächst zeigen,
bis er allmählich den heiligen Inhalt empfindet, so daß er für
ihn leuchtet im goldenen Glänze. In die Mysterienstätte seines eigenen
Herzens steigt ein Mensch hinein, dann geht ein göttliches
Wesen aus dieser Stätte hervor und verbindet sich mit dem Gott
draußen, mit dem Christus-Wesen. Es lebt in dem geistigen Lichte,
welches hineinstrahlt in das Gefäß und dieses dadurch heiligt.

GA 265 - Seiten 417/418

Zum Raum wird hier die Zeit

Zum Raum wird hier die Zeit


Was früher räumliche Anschauung war, sollte nun zeitliche Anschauung werden durch das Mysterium von Golgatha.
Das war das Bedeutsame, was geschehen war.

GA 233a, S. 113

Kritik

Kontroverse & Kritik


Es ist auffällig, dass Kritik an der Anthroposophie häufig nur polemisch ist oder als Argument die Floskel 'es ist heute wissenschaftlich allgemein anerkannt' enthält.

Wissenschaft ist aber immer nur der Gegenwärtige Stand des Irrtums!
Es irrt der Mensch so lang er strebt...
J. W. v. Goethe - Faust - Prolog im Himmel

Egoisten: Valentin Tomberg über das neue Naturerleben

Egoisten: Valentin Tomberg über das neue Naturerleben: Nachdem an dieser Stelle  vor fünf Wochen über Valentin Tombergs Vorstellungen über die "Wiederkunft Christi im Ätherischen" gesch...

Der Meister


Der M.[Meister]

Rudolf Steiners 'Meister'

Rudolf Steiner / Marie Steiner-von Sivers
Briefwechsel und Dokumente 1901 - 1925

GA 262

Seite 86

Ich kann Dir nur sagen, wenn der Meister mich nicht zu überzeugen gewusst hätte, dass trotz alledem die Theosophie unserem Zeitalter notwendig ist: ich hätte auch nach 1901 nur philosophische Bücher geschrieben und literarisch und philosophisch gesprochen.

Seite 16

Nicht sogleich begegnete ich dem M., sondern zuerst einem von ihm Gesandten, der in die Geheimnisse der Wirksamkeit aller Pflanzen und ihres Zusammenhanges mit dem Kosmos und mit der menschlichen Natur vollkommen eingeweiht war. Ihm war der Umgang mit den Geistern der Natur etwas Selbstverständliches, das ohne Enthusiasmus vorgebracht wurde, doch um so mehr Enthusiasmus erweckte.

Seite 22

Da kam die Zeit, wo ich im Einklänge mit den okkulten Kräften, die hinter mir standen, mir sagen durfte: du hast philosophisch die Grundlegung der Weltanschauung gegeben, du hast für die Zeitströmungen ein Verständnis erwiesen, indem du so diese behandelt hast, wie nur ein völliger Bekenner sie behandeln konnte; niemand wird sagen können: dieser Okkultist spricht von der geistigen Welt, weil er die philosophischen und naturwissenschaftlichen Errungenschaften der Zeit nicht kennt. Ich hatte nun auch das vierzigste Jahr erreicht, vor dessen Eintritt im Sinne der Meister niemand öffentlich als Lehrer des Okkultismus auftreten darf. (Überall, wo jemand früher lehrt, liegt ein Irrtum vor.) Nun konnte ich mich der Theosophie öffentlich widmen.

Seite 28

Im Alter von fünfzehn [achtzehn] Jahren machte Rudolf Steiner die Bekanntschaft eines wissenden Pflanzenkenners, der sich vorübergehend in seiner Gegend aufhielt. Das Besondere an diesem Menschen war, dass er nicht nur die Arten, die Familien und das Leben der Pflanzen bis in die kleinsten Einzelheiten kannte, sondern auch ihre geheimen Eigenschaften. Es war, wie wenn er sein ganzes Leben im Gespräch mit der bewusstlosen und flüchtigen Seele der Pflanzen und Blumen verbracht hätte. Er besaß die Gabe, das lebendige Prinzip der Pflanzen, den Ätherleib, und das, was im Okkultismus die Elementarwesen des Pflanzenreiches genannt wird, zu sehen. Er sprach davon wie von einer ganz gewöhnlichen und selbstverständlichen Sache. Der gelassene und nüchtern wissenschaftliche Ton seiner Unterhaltung vermehrte nur die Wissbegierde und die Bewunderung des Jünglings. Später erfuhr er, dass dieser sonderbare Mann ein Abgesandter des Meisters war, den er noch nicht kannte, der aber sein eigentlicher Initiator werden sollte und welcher ihn schon aus der Ferne überwachte.

Seite 30

Mit neunzehn Jahren begegnete der junge Neophyte seinem Führer - dem Meister -; eine Begegnung, die er seit langem vorausgeahnt hatte. Es ist eine durch die okkulte Tradition und die Erfahrung bestätigte Tatsache, dass diejenigen, die von einer uneigennützigen Sehnsucht nach der höheren Wahrheit beseelt sind, einen Meister finden, der sie im geeigneten Moment, das heißt wenn sie reif dafür sind, einweiht. «Klopfet an und es wird euch aufgetan», sagt Jesus. Dies ist für alle Dinge richtig, besonders aber für die Wahrheit.


Seiten 30-32

Rudolf Steiners Meister war einer von diesen mächtigen Menschen, die  der Welt unbekannt unter der Maske irgendeines bürgerlichen Berufes  leben, um eine Mission zu erfüllen, die nur die Gleichgestellten in der  Brüderschaft der «Meister des Verzichts» kennen. Sie üben keine sichtbare  Wirkung aus auf die menschlichen Ereignisse. Das Inkognito ist die  Bedingung ihrer Wirksamkeit, die dadurch eine umso größere Kraft gewinnt.  Denn sie erwecken, bereiten vor und leiten solche, die vor aller  Augen handeln. Bei Rudolf Steiner war es für den Meister nicht schwer,  die erste, spontane Einweihung seines Schülers zu vervollständigen. Er  brauchte ihm eigentlich nur zu zeigen, wie er sich seiner eigenen Natur zu  bedienen habe, um ihm alles Erforderliche an die Hand zu geben. In  lichtvoller Weise zeigte er ihm die Verbindung zwischen den äußeren und  den geheimen Wissenschaften, den Religionen und den geistigen Kräften,  welche sich gegenwärtig die Führung der Menschheit streitig machen,  sowie das Alter der okkulten Tradition, welche die Fäden der Geschichte  in der Hand hält, sie verknüpft, auftrennt und im Laufe der Jahrhunderte  wieder zusammenknüpft. Rasch ließ er ihn durch die verschiedenen Etappen  der inneren Disziplin hindurchgehen, um das bewusste und vernunftgetragene  Hellsehens zu erreichen. In wenigen Monaten war der Schüler  durch mündlichen Unterricht mit der unvergleichlichen Tiefe und Schönheit  der esoterischen Zusammenschau bekannt geworden. Rudolf Steiner  hatte sich schon seine geistige Mission vorgezeichnet: «Die Wissenschaft  mit der Religion zu verbinden, Gott in die Wissenschaft und die Natur in  die Religion hineinzubringen und dadurch von neuem Kunst und Leben  zu befruchten.» Wie aber diese ungeheure und kühne Aufgabe angreifen?  Wie sollte er den großen Feind, die einem ungeheuren gepanzerten und  über einen großen Schatz gelagerten Drachen vergleichbare moderne materialistische  Wissenschaft, besiegen oder vielmehr zähmen und bekehren?  Wie kann es gelingen, den Drachen der modernen Wissenschaft zu bändigen  um ihn vor den Wagen der geistigen Wahrheit zu spannen? Vor allem,  wie ist der Stier der öffentlichen Meinung zu besiegen?  Der Meister Rudolf Steiners glich diesem kaum. Er hatte nichts von  dieser tiefen, fast weiblichen Feinfühligkeit, die zwar die Energie nicht  ausschließt, aber aus jeder Berührung ein Gefühlserlebnis macht und die  das Leiden des anderen sogleich in einen persönlichen Schmerz verwandelt.  Er war ein männlicher Geist, eine Herrschernatur, welche nur auf die  Gattung schaute und für welche die Individuen kaum eine Bedeutung  hatte. Er schonte sich selbst nicht, so wenig wie die anderen. Sein Wille  war einer Kanonenkugel vergleichbar, welche, nachdem sie einmal den  Lauf verlassen hat, direkt ihrem Ziel zuschießt und alles auf ihrem Wege  mit sich reißt. Auf die besorgten Fragen seines Schülers antwortete er  ungefähr in diesem Sinne:  «Wenn du den Feind bekämpfen willst, musst du ihn zuerst verstehen.  Den Drachen kannst du nur besiegen, wenn du seine Haut anziehst. Den  Stier muss man bei den Hörnern nehmen. Im größten Missgeschick wirst  du deine Waffen und deine Kampfgenossen finden. Ich habe dir gezeigt,  wer du bist; jetzt gehe - und bleibe du selbst!»2  Rudolf Steiner kannte die Sprache der Meister genügend, um den  schweren Weg vorauszufühlen, welchen dieser Befehl ihm auferlegte; er  begriff jedoch auch, dass es das einzige Mittel war, um zum Ziele zu  gelangen. Er gehorchte und machte sich auf den Weg. 

Steiners Verhältnis zu Philosophie und Okultismus

Rudolf Steiners Verhältnis zu Philosophie und Theosophie



Das sind Erwägungen, denen der Okkultist immer wieder nachhängen muss, wenn er daran denken soll, die hohe Weisheit der heiligen Meister in das Publikum zu streuen. Das ist seine große Verantwortlichkeit. Das ist es, was uns die Brüder immer entgegenhalten, die im Okkultismus konservativ bleiben und die Methode des Geheimhaltens auch ferner pflegen wollen. - Und kein Tag vergeht, an dem die Meister nicht die Mahnung deutlich ertönen lassen: «Seid vorsichtig, bedenkt die Unreife eures Zeitalters. Ihr habt Kinder vor euch, und es ist euer Schicksal, dass ihr Kindern die hohen Geheimlehren mitteilen müsst. Seid gewärtig, dass ihr durch eure Worte Bösewichter erzieht.» Ich kann Dir nur sagen, wenn der Meister mich nicht zu überzeugen gewusst hätte, dass trotz alledem die Theosophie unserem Zeitalter notwendig ist: ich hätte auch nach 1901 nur philosophische Bücher geschrieben und literarisch und philosophisch gesprochen. Meine Liebe, bleibe mir stark: so lange wir die Verbindung mit der großen Loge haben werden, kann uns in Wirklichkeit nichts geschehen, was auch scheinbar geschehen mag. Aber nur durch diese unsere Stärke bleibt uns die Hilfe der erhabenen Meister. Du weißt: ich spreche dies so nüchtern, so verstandesklar wie das alltäglichste im Leben.

Brief an Marie von Sivers (Januar 1905)

Marie Steiner-von Sivers, Briefwechsel und Dokumente 1901 - 1925 [GA 262]
Seiten 85-86

Rudolf Steiner und die zeitgenössische Philosophie

Rudolf Steiner und die zeitgenössische Philosophie

Eduard von Hartmann erwiderte: darüber ließe sich doch nicht streiten; es läge doch schon in der Wort-Erklärung der «Vorstellung», daß in ihr nichts Reales gegeben sei. Als ich diese Erwiderung vernahm, bekam ich ein seelisches Frösteln. «Wort-Erklärungen» der ernsthafte Ausgangspunkt von Lebensanschauungen! Ich fühlte, wie weit ich weg war von der zeitgenössischen Philosophie. Wenn ich auf der Weiterreise im Eisenbahnwagen saß, meinen Gedanken und den Erinnerungen an den mir doch so wertvollen Besuch hingegeben, so wiederholte sich das seelische Frösteln. Es war etwas, das in mir lange nachwirkte.

Mein Lebensgang - GA 28 - Seiten 155-156

Schöpfung aus dem Nichts

Schöpfung aus dem Nichts

Der Mensch wird also nicht auf der Venus ankommen können und sagen: Jetzt ist alles das noch in mir aus der Saturn-, Sonnen- und Mondenentwickelung - denn das wird er nun schon alles abgestreift haben. Und er wird am Ende seiner Entwickelung noch das an sich tragen, was er nicht erhalten, sondern sich selber erarbeitet hat, was er aus dem Nichts heraus gebildet hat. Da haben Sie das Dritte, was zu Evolution und Involution hinzukommt, da haben Sie die Schöpfung aus dem Nichts. Evolution, Involution und die Schöpfung aus dem Nichts heraus, das ist es, was wir ins Auge fassen müssen, wenn wir die ganze Größe und Majestät menschlicher Entwickelung ins Auge fassen wollen.

Geisteswissenschaftliche Menschenkunde - GA 107 [Rudolf Steiner]
Evolution, Involution und Schöpfung aus dem Nichts (19. Vortrag, Juni 1909), Seite 307-308




Meinung & Diskussion

RUDOLF STEINER

Geisteswissenschaftliche Menschenkunde

GA 107

Erster Vortrag - Berlin - 19. Oktober 1908

Die astralische Welt


Seite 21-23

Jetzt werde ich eine Sache berühren, die zwar für die heutige  materialistische Zeit schockierend ist, die aber doch wahr ist. Wir  haben oft betont, daß unsere Zeit sich ja heute immer mehr einlebt  in das bloße Bewußtsein der physischen Welt, also auch in die Charaktereigenschaften  und Charaktereigentümlichkeiten der physischen  Welt; wo also, wenn die Diskussion angeschlagen wird, jeder den  andern, der nicht seiner Meinung ist, vernichten möchte oder ihn für  einen Toren hält. So ist es in der astralischen Welt nicht. Da wird  ein Wesen sagen: Ich kümmere mich nicht um andere Meinungen! -  Da herrscht absoluteste Toleranz. Ist eine Meinung die fruchtbarere,  so wird sie die andern aus dem Felde schlagen. Man läßt die andern  Meinungen ebenso bestehen wie die eigene, weil sich die Dinge  schon zurecht richten müssen durch den Kampf. Wer sich nach und  nach in die spirituelle Welt einlebt, muß sich nach den Gewohnheiten  der spirituellen Welt richten lernen; und der erste Teil der  spirituellen Welt ist einmal die astralische Welt, wo solche Usancen  herrschen, wie sie eben charakterisiert wurden, so daß in einem Menschen,  der sich einlebt in die geistige Welt, in einer gewissen Beziehung  auch die Gewohnheiten der Wesen der geistigen Welt Platz  greifen müssen. Und das ist auch richtig. Immer mehr soll unsere  physische Welt ein Abbild der geistigen Welt werden, und wir werden  dadurch in unsere Welt immer mehr Harmonie bringen, daß wir  uns eines vornehmen: das Leben in der physischen Welt soll sich abspielen  wie das Leben in der astralischen Welt. Wir können zwar  nicht an einem Orte zwei Kirchen bauen, aber wo die Meinungen  verschieden sind, läßt man sie sich gegenseitig in bezug auf ihre  Fruchtbarkeit in der Welt durchdringen. Die Meinungen, welche die  fruchtbarsten sind, werden schon den Sieg davontragen, wie das auch  in der astralischen Welt ist.  So können innerhalb einer spirituellen Weltenströmung die Charaktereigentümlichkeiten  der astralischen Welt geradezu hineinreichen in  die physische Welt. Das wird ein großes Feld der Erziehung sein,  welches die geisteswissenschaftliche Bewegung zu bebauen haben  wird: immer mehr auf dem physischen Plan ein Abbild zu schaffen  der astralischen Welt. So sehr es den Menschen schockiert, der nur  den physischen Plan kennt und sich danach nur vorstellen kann, daß  nur eine Meinung vertreten werden könne und daß alle, die andere  Meinungen haben, Dummköpfe sein müssen, so wird es doch immer  mehr und mehr selbstverständlich sein für die Angehörigen einer  spirituellen Weltanschauung, daß eine absolute innerliche Toleranz  der Meinungen herrscht, eine Toleranz, die sich nicht darstellt wie die  Konsequenz einer Predigt, sondern wie etwas, was in unserer Seele  Platz greifen wird, weil wir uns immer mehr und mehr naturgemäß  die Usancen der höheren Welten aneignen.  Was jetzt geschildert worden ist, diese Durchdringlichkeit, ist eine  sehr wichtige und wesentliche Eigentümlichkeit der astralischen  Welt. Kein Wesen der astralischen Welt wird einen solchen Wahrheitsbegriff  entwickeln, wie wir ihn auf der physischen Welt kennen.  Die Wesen der astralischen Welt finden das, was im Physischen Diskussion  und so weiter ist, ganz unfruchtbar. Für sie gilt auch der  Ausspruch Goethes: «Was fruchtbar ist, allein ist wahr!» Die Wahrheit  muß man nicht durch theoretische Erwägungen kennenlernen,  sondern durch ihre Fruchtbarkeit, durch die Art, wie sie sich geltend  machen kann. Es wird also ein Wesen der astralischen Welt mit einem  andern Wesen niemals streiten, wie die Menschen es tun, sondern ein  solches Wesen wird zu dem andern sagen: Schön, tu du das Deine, ich  tue das Meine. Es wird sich schon herausstellen, welches die fruchtbarere  Idee ist, welche Idee die andern aus dem Felde schlagen wird.  Wenn wir uns in eine solche Denkweise hineinversetzen, haben  wir auch schon an praktischem Wissen etwas gewonnen. Man darf  nicht glauben, daß die Entwickelung des Menschen in die geistige  Welt hinein sich in tumultuarischer Weise vollzieht, denn sie geschieht  innerlich, in intimer Weise. Und können wir darauf achtgeben und  uns so etwas aneignen, was jetzt als Eigentümlichkeit der astralischen  Welt charakterisiert wurde, dann werden wir immer mehr dahin  kommen, solche Gefühle, wie die astralen Wesen sie haben, als Mustergefühle  für unsere eigenen zu betrachten. Wenn wir uns nach dem  Charakter der astralischen Welt richten, können wir hoffen, uns hinaufzuleben  zu den geistigen Wesenheiten, deren Leben uns auf diese  Weise immer mehr und mehr aufgeht. Das ist es, was sich dabei als  das Fruchtbare für die Menschen erweist.

Selbst- und Welterkenntnis

Selbst- und Welterkenntnis


Suchst du dich selbst,
So suche draußen in der Welt;
Suchst du die Welt,
So suche in dir selbst.

(Rudolf Steiner)




Der Schlüssel

Willst du dich selber erkennen,
so sieh, wie die anderen es treiben.
Willst du die anderen verstehen,
blick in dein eigenes Herz.

(Friedrich von Schiller)

Egoisten: Valentin Tomberg: Der schamlose Blick

Egoisten: Valentin Tomberg: Der schamlose Blick: In "Sieben Vorträge über die innere Entwicklung des Menschen" (Schönach 1993/2) schreibt Tomberg (denn diese Vorträge sind zweifel...

Der kürzeste Weg zwischen zwei Punkten...

Der kürzeste Weg zwischen zwei Punkten...


Initiations-Erkenntnis

Die geistige und physische Welt- und Menschheitsentwickelung in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, vom Gesichtspunkt der Anthroposophie

GA 227, Seiten 85-86


Zu diesen schwierigsten Dingen sind ohne Zweifel zu rechnen die mathematischen Wahrheiten. Dasjenige, was in der Mathematik erkannt wird, das hält man für etwas absolut Richtiges. Nun ist das Eigentümliche, daß selbst die Mathematik, die Geometrie aufhört, richtig zu sein, wenn man in die geistigen Welten hineinkommt. Da handelt es sich darum - ich möchte das an einem ganz einfachen Beispiel klarmachen -, daß man ja die alte Euklidische Wahrheit als ein Axiom, wie man es nennt, als eine Selbstverständlichkeit kennenlernt, sich von Jugend auf daran gewöhnt. Es wird zum Beispiel als eine Selbstverständlichkeit hingestellt: Wenn ich einen Punkt A habe und einen Punkt B, so ist der kürzeste Weg zwischen diesen zwei Punkten die gerade Linie. Jeder andere Weg, jeder krumme Weg ist länger. Auf dieser Erkenntnis, die selbstverständlich ist für die physische Welt, beruht ein großer Teil unserer Geometrie. In den geistigen Welten ist es umgekehrt. Da ist die gerade Linie, die man von A nach B nimmt, der längste Weg. Jeder andere Weg ist kürzer, weil jeder andere in der geistigen Welt frei gegangen werden kann. Hat man die Vorstellung, wenn man in A ist, daß man nach B kommen soll, so kommt man durch diese bloße Vorstellung auf jedem krummen Wege leicht hin; aber den geraden Weg einzuhalten, also in jedem einzelnen Punkte der Geraden einzuhalten diese einzige Richtung, das ist das Schwerste, das verlangsamt am allermeisten. Daher braucht man am allerlängsten, wenn man in der geistigen Welt eine Gerade durchmessen will im zweidimensionalen oder im eindimensionalen Raum. Derjenige, der etwas nachdenkt über die Aufmerksamkeit und, wie ich oft jetzt sagte, in die Seele tief hineinschürft, was eigentlich die Aufmerksamkeit bedeutet, der kommt darauf, daß das, was der Geistesforscher aus seiner Erfahrung heraus sagt, auch in dieser Beziehung richtig sein müsse. Denn er sagt sich: Wenn ich beliebig herumlaufe, da durchmesse ich meinen Weg leicht -, und dieses Herumlaufen braucht sich nicht bloß zu beziehen auf ein wirkliches Ablaufen von Strecken, sondern auf das, was man täglich tut; die meisten Menschen hantieren ja vom Morgen bis zum Abend. Sie hantieren so, daß sie eigentlich wenig aufmerksam sind, daß sie mehr das tun, was in der Gewohnheit liegt, was sie gestern getan haben, was die Leute sagen, daß man tun soll und so weiter. Da geht die Arbeit schnell vonstatten. Aber bedenken Sie, wenn Sie bei jedem einzelnen Punkte Ihres Tagesdaseins intensiv aufmerksam sein müssen auf dasjenige, was Sie tun, probieren Sie es einmal, Sie werden schon sehen, wieviel langsamer das zustande kommt. Nun, in der geistigen Welt gibt es überhaupt nichts ohne Aufmerksamkeit. In der geistigen Welt gibt es keine Gewohnheit. In der geistigen Welt gibt es das Wörtchen «man» nicht, man muß zu dieser Zeit lunchen, man muß zu dieser Zeit dinieren und so weiter. Dieses «man», man zieht sich bei dieser Gelegenheit diese oder jene Kleider an und so weiter, das alles, was unter dem Wörtchen «man» eine so große Rolle spielt in der physischen Welt, besonders in der heutigen Zivilisation, das alles gibt es nicht in der geistigen Welt. In der geistigen Welt muß jeder kleinste Schritt, ja, was noch kleiner ist als ein Schritt, mit der eigenen Aufmerksamkeit verfolgt werden. Das drückt sich schon aus, wenn man den Satz ausspricht: In der geistigen Welt ist die Gerade der längste Weg zwischen zwei Punkten. So hat man den Gegensatz: In der physischen Welt ist die Gerade der kürzeste Weg zwischen zwei Punkten. In der geistigen Welt ist die Gerade der längste Weg zwischen zwei Punkten. Geht man nur tief genug in die Seele hinein, so wird man aufmerksam darauf, wie man ein wirkliches Verständnis für diese Sonderbarkeiten aus der Seele herausholen kann, und man wird dann immer mehr und mehr zu dem Selbstgeständnis kommen: Was der Geistesforscher sagt, das ist eigentlich alles eine Weisheit, die in mir selbst sitzt. Ich brauche nur daran erinnert zu werden.

ESOTERISCHE STUNDE

GA 266b

ESOTERISCHE STUNDE
München, 1. September 1912 (Aufzeichnung A)

Der Esoteriker hat auf manches zu achten, was für den Exoteriker ganz belanglos ist. So muß er sich immer vor Augen halten daß, wenn er nach Wahrheit strebt, es immer nur eine relative Wahrheit sein kann, daß man als Esoteriker von ewigen Wahrheiten überhaupt nicht sprechen kann. In unser Streben mischen sich auch immer unsere Wünsche, und wir müssen uns sagen, daß wir immer lieber eine Wahrheit annehmen, die uns gefällt, als eine solche, die uns unsympathisch ist. Zum Beispiel der Gedanke der Unsterblichkeit ist als solcher den meisten Menschen zusagender als der, daß mit dem Tode alles aus ist, und sie sind deshalb geneigt, lediglich aus diesem Grunde ihn als Wahrheit anzunehmen. Das soll der Esoteriker aber nicht. Er soll seine Wünsche, sein Persönliches ausschalten und dann forschen. Hierfür sind uns unsere Meditationen gegeben, in denen wir sozusagen geistig ruhen sollen auf einem bestimmten Gedankeninhalt. Es kommt dabei nicht so sehr darauf an, daß wir den Inhalt der Meditation durchdenken, als daß wir unsere Seele darin ruhen lassen; denn durch diese fortwährende Wiederholung werdenunsere Seelenkräfte gestärkt. Die Neigung, an absolute, ewige Wahrheiten zu glauben und sie zu verfechten, ist eine Eigenschaft unserer Bewußtseinsseele. Es! ist nun möglich, daß die Bewußtseinsseele so die Oberhand gewinnt, daß sie diese Ideen nicht mehr beherrscht, sondern von ihnen beherrscht wird und sie nach außen ergießt. Im Okkultismus hat man dafür einen Ausdruck; man nennt eine solche Bewußtseinsseele mit diesen Ideen den «inneren Sadduzäer». Wir tragen alle den inneren Sadduzäer in uns, und der Esoteriker hat die Pflicht, dies zu erfühlen und sich danach zu richten. (Beispiel: Als Goethe p. m. [post mortem] gefragt wurde, wie man seine Werke interpretieren solle, sagte er: «Aus meinem Geiste

Seite: 397

heraus, aber nicht mit meinen selben Worten, die ich sprach, mich erklären.» - Saint-Martin p. m. sagte einmal: «Ich habe viele Schüler; sie haben aber meist meine Irrtümer weiterverbreitet. ») Auch die Verstandes- oder Gemütsseele kann in sich etwas wie einen zweiten Menschen tragen, und zwar, wenn der Mensch eine persönlich erkannte Wahrheit als allgemeingültig hinstellen will. Der Mensch tut dies aus einem gewissen Schamgefühl heraus, weil er nicht sagen will: «Diese Wahrheit habe ich als solche durch dies oder jenes Erlebnis erkannt; es ist daher für mich eine Wahrheit», sondern er möchte sie als allgemeingültig hinstellen. Hierfür hat der Okkultismus die Bezeichnung «Pharisäer». Der innere Pharisäer ist die Verstandesseele, die die Herrschaft nach dieser Richtung an sich reißt. Aus dieser Sucht, persönliche Wahrheiten als allgemeine hinzustellen, resultiert dann oft nach außen hin Heuchelei und Unaufrichtigkeit. Die Empfindungsseele kann man in seinem Streben nach Wahrheit ebenfalls zu sehr vorherrschen lassen. Das tun alle die, welche lieber in Gefühlen schwelgen, als zum Beispiel die Weltentwicklungslehren in sich aufzunehmen und verarbeiten zu wollen, die zum Beispiel lieber sich in einen Tauler oder einen anderen Mystiker des Mittelalters vertiefen und alles übrige ablehnen. Da die Empfindungsseele von der Bewußtseinsseele ziemlich entfernt ist, so bringt sie ihre Fehler nicht in so unangenehmer Weise zum Ausdruck wie diese, aber doch ist es ein Fehler, wenn der Esoteriker sich von allem, was ihn die äußere Welt lehren kann, abwendet, um nur in der inneren Versenkung die Wahrheit zu suchen. Man nennt im Okkultismus diese Art, die Empfindungsseele überwiegen zu lassen, den «inneren Essäer ». Man kann nun die Einwendung machen: «Ja, ein Essäer ist doch etwas sehr Gutes.» Gewiß ist er das; aber die geistigen Führer, welche diesen Orden gründeten, wußten eben, an welchem Orte, zu welcher Zeit und in welcher Art sie ihn einrichten mußten, damit er für die Welt etwas Heilsames war. Das ist

Seite: 398

eben die Hauptsache im okkulten Streben, zu erkennen, welche Wahrheit die richtige für die betreffende Zeit ist. Das hat der Buddha damals genau gewußt, als er sechshundert Jahre vor Christus seine Lehre nach Indien brachte. Dieselbe Lehre an einen anderen Ort verpflanzt, zu anderer Zeit, hat nicht die gleiche Wirkung. Wie etwas wirksam zu machen ist, darauf kommt es an. Es formen sich Knotenpunkte zu gewissen Zeiten in den geistigen Welten, wo aus den höchsten Welten in die direkt über uns liegenden Welten Kräfte hineinwirken. Eine solche Zeit ist jetzt da, und diese Kräfte aus den höchsten Welten herabholen, können nicht die großen Initiierten, das kann nur der Christus, dadurch, daß er das Mysterium von Golgatha durchgemacht hat. Aber die großen Initiierten Buddha, Pythagoras, Zarathustra und so weiter gruppieren sich um den Christus und lassen sich von seinen Kräften beeinflussen, gleichviel, ob sie im physischen Leib inkarniert sind oder in geistigen Welten weilen, und sie wirken aus diesem Geiste heraus. Wir sollen nun diese drei in uns wohnenden Menschen, den Sadduzäer, den Pharisäer und den Essäer, untereinander in ein Verhältnis bringen, denn jeder allein für sich ist etwas Schädliches. Der Pharisäer soll dem Sadduzäer dienen und diese beiden zusammen dem Essäer. Dieser soll über die zwei herrschen, aber allein für sich darf er nicht herrschen. Wir sollen als Esoteriker es wirklich ins Gefühl bekommen, daß wir diese drei in uns haben, denn wenn wir an den Hüter der Schwelle kommen, werden wir sie sehr deutlich spüren; denn wir werden sie zurücklassen müssen als etwas Vergängliches, was nicht in die geistigen Welten gehört. Wenn man sagt, ein Essäer beschäftige sich ja gerade mit den geistigen Welten, so muß geantwortet werden, daß er sich mit ihnen in seiner ihm angemessenen Art in der physischen Welt beschäftigt, aber daß eben sein ganzer Orden für die physische Welt und für einen bestimmten Punkt der Erde gegründet wurde und daß in den geistigen Welten von anderen Gesichtspunkten ausgegangen wird.

Seite: 399

Wenn wir mit diesen drei Mängeln, die wir als Blößen empfinden, vor die Gottheit hintreten, so werden wir ein Gefühl der Scham haben, wie es Adam und Eva in ihrer Blöße vor der Gottheit hatten, und deshalb müssen wir trachten, diese drei Seeleneigenschaften in das richtige Gleichgewicht zu bringen. Die geistige Welt ist für uns von Hüllen umgeben, die wir selber schaffen und die wir lösen müssen. Aber nicht durch Suchen in sich findet man die Erkenntnis. Sie kann einem kommen, wenn beim ruhigen Meer die Sonne in dieses sinkt und wir diese Naturerscheinung intensiv auf uns wirken lassen. Das richtige Leben mit der Natur wirkt erweckend und fördernd auf den Esoteriker; aber er darf ihm auch nicht ausschließlich sich hingeben.

AnthropoZOFFie


Futurum-Verlag