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Liebe

GLAUBE, LIEBE, HOFFNUNG

Wien, 14. Juni 1911

Die Liebe

Eine zweite Grundkraft ist die Liebe. Niemandem fehlt sie, immer ist sie da, sie kann nicht ausgerottet werden. Wer glauben würde, daß der größte Hasser, der größte Egoist keine Liebe habe, ist im Irrtum. Das zu denken ist durchaus falsch. Die Liebessehnsucht ist immer und immer hier vorhanden. Mag es sich um Geschlechtsliebe handeln oder um Liebe zum Kinde, oder zum Freunde, oder um Liebe zu irgend etwas, zu einem Werke, immer ist sie da. Sie kann nicht aus der Seele herausgerissen werden, weil sie eine Grundkraft der Seele ist. Aber so wie der Mensch die Luft zum Atmen braucht, so braucht er das Liebeswerk, die Liebebetätigung für seine Seele. Ihr Gegner, ihre Behinderung, ist der Egoismus. Was tut aber der Egoismus? Er läßt die Liebe nicht hinauswirken, er preßt sie in die Seele hinein, immer und immer. Und wie beim Atmen die Luft ausströmen muß, damit der Mensch nicht ersticke, so muß die Liebe ausströmen, damit die Seele nicht ersticke an dem, was gewaltsam in sie hineingepreßt wird. Besser gesagt: die Seele verbrennt an dem eigenen Liebesfeuer in sich selbst und geht zugrunde. Erinnern wir uns nun, daß der Mensch auf der alten Sonne den Ätherkörper in der Anlage bekommen hat, daß dieses Feurige, Lichtvolle, Glänzende der Sonne Anlage ist des Ätherleibes. Darin ist nur eine andere Seite der Liebe gegeben, das, was die Liebe im Geiste ist: Licht ist Liebe. Im Ätherkörper ist uns also die Liebe und die Liebessehnsucht gegeben, und wir können den Ätherkörper mit Fug und Recht nennen den Liebesleib: Licht und Liebe. Es ist ein wahres Wort: die Liebe ist das höchste Gut. Aber sie kann auch die unheilvollsten Folgen haben. Im alltäglichen Leben sieht man das, und ich erzähle hier ein Beispiel, das erlebt ist. Eine Mutter hat ihr Töchterchen sehr geliebt, und aus Liebe hat sie ihm alles hingehen lassen, was es auch getan hat. Sie hat es nie bestraft, hat ihm jede Laune erfüllt. Eine Giftmischerin ist das Töchterchen geworden, und aus Liebe ist es dies geworden. Liebe muß mit Weisheit gepaart sein, sie muß eine erleuchtete Liebe werden, dann erst kann sie wahrhaft gut wirken. Die theosophische Lehre ist berufen, ihr diese Weisheit zu bringen, ihr diese Erleuchtung zu geben. Und wenn der Mensch in sich aufgenommen hat, was über die Weltentwickelung, über dieses scheinbar so weit, so ferne Liegende gesagt und gelehrt wird, was über den Zusammenhang des Menschen mit dem Makrokosmos mitgeteilt wird, dann wird der Mensch so werden, daß seine erleuchtete Liebe sich dem Nebenmenschen gegenüberstellen wird, um in ihn hineinzusehen, ihn verstehen zu können, und so zur erleuchteten Menschenliebe zu werden. Wir hören oft sagen, daß das Leben öde und leer sei. Aus diesem Gefühl geht eine Art Mißstimmung sogar über auf den Körper. Das bewirkt die unbefriedigte Liebeskraft. Wenn die Welt unsere Liebe zurückstößt, empfinden wir Schmerz. Wenn wir etwas aus Liebe tun, müssen wir es tun, weil die Seele es braucht, ebenso wie die Lunge die Luft. Nicht aus wissenschaftlicher Neugierde oder um eine wissenschaftliche Meinung der Welt vorzusetzen - deren haben wir mehr als genug, denn es gibt tausend Fragen, die der Lösung harren -, sondern um der Menschheit Lebenserfüllung zu geben, ist die Theosophie in die Welt gekommen. Wir vereinigen uns noch zu kleinen Kreisen, aber diese Kreise werden in kurzem immer größer und größer werden, und wir werden einstmals die tausend Fragen der heutigen Zeit lösen können. Wer wird die soziale Frage lösen? - Die, welche darüber theoretisieren und debattieren? Niemals. Die theosophische Weltanschauung und die Liebe werden sie lösen. Und wahrhaftig, so paradox es auch klingen mag, die Menschheit wird in kurzem nicht einmal mehr Kartoffeln bauen können - denn die Kartoffeln werden heute schon immer schlechter -, sie wird nicht einmal mehr Kartoffeln bauen können ohne die Theosophie! Wie ist das zu erklären? Vieles tut die Menschheit heute instinktiv, aus einem gewissen Instinkt heraus. Dieser Instinkt aber muß immer mehr und mehr verschwinden. Warum? Weil die Zeit gekommen ist, daß er in das Bewußtsein übergeht. Die Menschen werden daher den Ackerbau nicht kennen können, ohne die Wahrheiten der Theosophie über die Beschaffenheit der Erde, der in ihr wirkenden Kräfte und so weiter, kennenzulernen. 

GA 127, Seite 187f.

Liebe

Liebe

Erinnern wir uns nun, daß der Mensch auf der alten Sonne den Ätherkörper in der Anlage bekommen hat, daß dieses Feurige, Lichtvolle, Glänzende der Sonne Anlage ist des Ätherleibes. Darin ist nur eine andere Seite der Liebe gegeben, das, was die Liebe im Geiste ist: Licht ist Liebe. Im Ätherkörper ist uns also die Liebe und die Liebessehnsucht gegeben, und wir können den Ätherkörper mit Fug und Recht nennen den Liebesleib: Licht und Liebe.

GA 127, Seite 187

Liebe & Egoismus

Liebe & Egoismus

Eine zweite Grundkraft ist die Liebe. Niemandem fehlt sie, immer ist sie da, sie kann nicht ausgerottet werden. Wer glauben würde, daß der größte Hasser, der größte Egoist keine Liebe habe, ist im Irrtum. Das zu denken ist durchaus falsch. Die Liebessehnsucht ist immer und immer hier vorhanden. Mag es sich um Geschlechtsliebe handeln oder um Liebe zum Kinde, oder zum Freunde, oder um Liebe zu irgend etwas, zu einem Werke, immer ist sie da. Sie kann nicht aus der Seele herausgerissen werden, weil sie eine Grundkraft der Seele ist. Aber so wie der Mensch die Luft zum Atmen braucht, so braucht er das Liebeswerk, die Liebebetätigung für seine Seele. Ihr Gegner, ihre Behinderung, ist der Egoismus. Was tut aber der Egoismus? Er läßt die Liebe nicht hinauswirken, er preßt sie in die Seele hinein, immer und immer. Und wie beim Atmen die Luft ausströmen muß, damit der Mensch nicht ersticke, so muß die Liebe ausströmen, damit die Seele nicht ersticke an dem, was gewaltsam in sie hineingepreßt wird. Besser gesagt: die Seele verbrennt an dem eigenen Liebesfeuer in sich selbst und geht zugrunde.
GA 127, Seite 187

Liebe und Weisheit

Es ist ein wahres Wort: die Liebe ist das höchste Gut. Aber sie kann auch die unheilvollsten Folgen haben. Im alltäglichen Leben sieht man das, und ich erzähle hier ein Beispiel, das erlebt ist. Eine Mutter hat ihr Töchterchen sehr geliebt, und aus Liebe hat sie ihm alles hingehen lassen, was es auch getan hat. Sie hat es nie bestraft, hat ihm jede Laune erfüllt. Eine Giftmischerin ist das Töchterchen geworden, und aus Liebe ist es dies geworden. Liebe muß mit Weisheit gepaart sein, sie muß eine erleuchtete Liebe werden, dann erst kann sie wahrhaft gut wirken. Die theosophische Lehre ist berufen, ihr diese Weisheit zu bringen, ihr diese Erleuchtung zu geben. Und wenn der Mensch in sich aufgenommen hat, was über die Weltentwickelung, über dieses scheinbar so weit, so ferne Liegende gesagt und gelehrt wird, was über den Zusammenhang des Menschen mit dem Makrokosmos mitgeteilt wird, dann wird der Mensch so werden, daß seine erleuchtete Liebe sich dem Nebenmenschen gegenüberstellen wird, um in ihn hineinzusehen, ihn verstehen zu können, und so zur erleuchteten Menschenliebe zu werden. 

GA 127, Seite 187

Liebe als Mission der Erde


Nun ist es so, daß die Dinge, die sich, in unserer physischen Welt in einer gewissen Weise darstellen, sich da oben ganz anders ausnehmen. Man darf sagen, auch die Götter profitieren von jener Teilnahme an der Menschheit. Wir müssen uns da eine Vorstellung aneignen, die nicht so ganz leicht ist, die man aber notwendig hat, wenn man das Verhältnis des Menschen zu der Welt verstehen will. Wir haben gesagt, daß die Erde der Planet der Liebe ist; und richtig ausgebildet wird die Liebe erst auf der Erde. Sie wird, grob ausgedrückt, gezüchtet; und durch ihre Teilnahme an den Menschen lernen die Götter ebenso die Liebe kennen, wie sie in einer anderen Beziehung sie schenken. Das ist schwer sich vorzustellen. Es ist durchaus möglich, daß ein Wesen in ein anderes Wesen eine Gabe förmlich einträufelt, und diese Gabe durch das andere Wesen erst kennenlernt. Denken Sie sich eine ungeheuer reiche Persönlichkeit, die nie etwas anderes kennengelernt hat als Reichtum, ohne jene tiefe seelische Befriedigung, die Wohltun verursachen kann. Und nun tut diese Persönlichkeit wohl; sie schenkt einer armen Persönlichkeit etwas. In der Seele dieser armen Persönlichkeit wird durch die Geschenke der Dank bewirkt, und dies Dankesgefühl ist auch eine Gabe: es wäre nicht da, wenn die reiche Persönlichkeit nicht geschenkt hätte. Die reiche Persönlichkeit hat aber das Dankesgefühl nicht gefühlt, sondern sie hat es hervorgebracht. Sie ist die Geberin des Dankesgefühls, aber kennenlernen kann die reiche Persönlichkeit dieses Dankesgefühl erst in der Reflexion, wenn es zurückstrahlt von denen, in denen sie es entzündet hat. So ist es ungefähr mit der Gabe der Liebe, die von den Göttern den Menschen eingeträufelt wird. Die Götter sind so weit, daß sie im Menschen die Liebe entzünden können, so daß die Menschen imstande sind, die Liebe erleben zu lernen, aber die Götter lernen die Liebe als Realität erst durch die Menschen kennen. Sie tauchen von den Höhen herunter in den Ozean der Menschheit und fühlen die Wärme der Liebe. Ja, wir wissen, daß die Götter etwas entbehren, wenn die Menschen nicht in Liebe leben, daß sozusagen die Götter ihre Nahrung in der Liebe der Menschen haben. Je mehr Liebe der Menschen auf der Erde, desto mehr Nahrung der Götter im Himmel - je weniger Liebe, desto mehr Hunger der Götter. Das Opfer der Menschen ist im Grunde genommen nichts anderes als das, was zu den Göttern hinaufströmt als die in den Menschen erzeugte Liebe. 

Welt, Erde und Mensch

GA 105 - Seite 146ff

NEUNTER VORTRAG - 1908

Liebe...


Wie steht es eigentlich mit dem Lieben? Wenn der Hellseher dieses erforscht, dann kann er zu bitteren Erfahrungen kommen, solange er diese Erfahrungen nicht im Lichte eines noch größeren Ganzen betrachtet. Nehmen wir an, zwei Menschen werden geboren, die durch ihr Karma dazu gehalten sind, in diesem Leben einander zu lieben. Dann kann der Hellseher oftmals beobachten, daß vor der Geburt dieser Menschen in der geistigen Welt die beiden einander gehaßt haben. Oder eine Mutter bekommt ein Kind, das sie, nach der weisen Einrichtung der Weltenordnung, mit Liebe erzieht. Aber bevor sie geboren war, hat sie das Kind vielleicht gehaßt. Hier kommen wir auf ein Gebiet, wo die weise Weltenlenkung gerade besonders weise vorgegangen ist. Das, was die Menschen in «Liebe» aneinander bindet, ist nämlich in weitaus den meisten Fällen Egoismus. Man liebt den andern, weil man es als angenehm empfindet, in der Nähe des geliebten Wesens zu sein. Die guten Götter haben den Egoismus gebrauchen müssen, um die Menschen in Liebe zu erziehen. Ohne dieses Mittel des Egoismus zu ergreifen - nachdem der luziferische Einfluß nun einmal gekommen war -, könnten keine Menschen dazu gebracht werden, karmische Bande durch Liebeverhältnisse auszuwirken; die Mutter würde das Kind, das karmisch mit ihr verbunden ist, gar nicht zur Welt bringen wollen und so weiter. So ist in dieser Welt wirklich alles umgekehrt; die Liebe ist von Luzifer und Ahriman, der Egoismus von den fortschreitenden Göttern gegeben, damit durch die Veredlung des Egoismus die Menschen zu wahrer Liebe gelangen können. Es wird das hier gesagt, um damit auf das Folgende hinzuweisen. Es kommen oft angehende Esoteriker und klagen über die Gedanken, die sie bei ihrer Meditation bestürmen. Das ist eigentlich ein Zeichen des Fortschrittes, daß man diese Gedanken spürt; es beweist, daß wir Luzifer und Ahriman nicht mehr nur in uns selber haben, sondern daß wir anfangen, sie als Mächte außer uns wahrzunehmen, denn solche heraufziehenden Gedanken sind ganz von Luzifer und Ahriman. Wenn alles so geblieben wäre, wie es ursprünglich beabsichtigt war, dann hätte nach der luziferischen Versuchung der Mensch seine Gedanken niemals vergessen können. Er hätte immer Zutritt gehabt zu der Akasha-Chronik, aber es wären Luzifer und Ahriman gewesen, die diese Chronik für ihn aufgeschrieben hätten. Daher mußten die guten Götter es so einrichten, daß der Mensch seine Gedanken auch vergessen kann. Alles, was so in das Unbewußte hinuntersinkt, ist abgestorben, aber das alles fressen Luzifer und Ahriman. Sie machen es zu einem Teil ihres Wesens, und als luziferische und ahrimanisehe Natur kommt es bei den Menschen wieder heraus in der Meditation. Sobald jemand sich zum Meditieren anschickt, steigt bei Luzifer die Hoffnung auf: Vielleicht werde ich doch noch in der Welt siegen! Und dann bestürmt er den Menschen mit dessen abgelegten Gedanken. Das liebt der Mensch eigentlich, dieses Gehen von Gedanken zu Gedanken, und die Kontemplation, das In-sich-erfüllt-Bleiben mit einem Gedankeninhalt, das liebt er nicht. Man beobachte einmal, wie lange ein Nicht-Esoteriker (bei einem Esoteriker ist noch ein gewisser [selbstauferlegter] Zwang dazu vorhanden) einen Vorsatz ausführt, um zum Beispiel, so wie der Essäerschüler, jeden Morgen für das Aufgehen der Sonne zu danken, wenn er sich dieses freiwillig vorgenommen hat. Wie wenige werden es weiter als einige Tage bringen! In Wirklichkeit liebt der Mensch den Geist überhaupt nicht. Er muß sich mit Gewalt dazu zwingen, bestimmte Gedanken durch längere Zeit in seiner Seele zu behalten. Luzifer und Ahriman sind es eigentlich, die der Mensch in Wahrheit liebt.

Als Protest gegen diese Tatsache haben wir unseren Rosenkreuzerspruch:

Ex Deo naseimur
In Christo morimur
Per Spiritum Sanctum reviviseimus 

GA 266c - Seite 146ff

Anthroposophie & Christentum

Weisheit & Liebe


So steht das Christentum da nicht als eine Religion, die eine Stam- mesreligion wäre, sondern es steht da als eine Menschheitsreligion, wenn es richtig verstanden wird. Indem der Christ sich eins fühlt mit dem «Vater», steht Seele der Seele gegenüber, gleichgültig welchem Stamme sie angehört. So werden alle Schranken fallen müssen unter den Einwirkungen des Christentums, und der Jupiterzustand muß vor- bereitet werden unter den Einwirkungen dieses Prinzips. Daher hat das Christentum begonnen als Religion, denn die Menschheit war auf Religion gebaut. Religion aber ist etwas, was im Laufe der Mensch- heitsentwickelung abgelöst werden muß durch Weisheit, durch Er- kenntnis. Insofern Religion auf Glauben gebaut ist und nicht von der vollen Erkenntnis durchglüht ist, ist sie etwas, was im Laufe des Menschheitsfortschrittes abgelöst werden muß. Und während der Mensch früher glauben mußte, um zum Wissen zu kommen, wird in Zukunft volle Erkenntnis leuchten, und der Mensch wird wissen und von da aus aufsteigen zur Anerkennung der höchsten geistigen Welten. Von der Religion entwickelt sich die Menschheit zu der von der Liebe wieder durchglühten Weisheit. Erst Weisheit, dann Liebe, dann von der Liebe durchglühte Weisheit.


Das Hereinwirken geistiger Wesenheiten in den Menschen (1908)

Götter-Speise

Götter-Speise


Die Liebe, die von den Menschen erzeugt wird, wird den Göttern Speise. Das ist viel wirklicher als etwa die Elek­trizität, so seltsam es zuerst erscheint. Die Liebe tritt zu­erst als Geschlechtsliebe auf und entwickelt sich hinauf bis zur höchsten geistigen Liebe. Aber alle Liebe, niedere und hohe, ist Götteratem. Nun kann man sagen: Wenn das alles so ist, kann es kein Böses geben. Aber Weisheit liegt der Welt zugrunde, Liebe entwickelt sich. Weisheit wird die Lenkerin der Liebe. So wie alle Weisheit aus Irrtum ge­boren wird, ringt sieh alle Liebe nur aus Kämpfen zur Höhe empor.

GA 55 - Seite 96