Das Glaubensbekenntnis des Monismus

Das Glaubensbekenntnis des Monismus


»Das sittliche Leben der Menschheit ist die Gesamtsumme der moralischen Phantasieerzeugnisse der freien menschlichen Individuen. Dies ist das Glaubensbekenntnis des Monismus. Er kann in der Geschichte des sittlichen Lebens nicht die Erziehung des Menschengeschlechtes durch einen jenseitigen Gott erkennen, sondern nur das allmähliche Ausleben aller Begriffe und Ideen, die aus der moralischen Phantasie entspringen können.«

»Die Philosophie der Freiheit« (Individualität und Gattung) - GA 4 - S. 242,

Rosenkreuzer

Rosenkreuzer

Es wurde festgesetzt, daß alle Entdeckungen, die sie machten, hundert Jahre lang als Geheimnis bei den Rosenkreuzern bleiben müßten und daß erst dann, nach hundert Jahren, diese Rosenkreuzer-Offenbarungen der Welt gebracht werden dürften. Erst nachdem hundert Jahre darüber gearbeitet worden war, durfte in entsprechender Weise darüber gesprochen werden. So wurde vom siebzehnten bis zum achtzehnten Jahrhundert vorbereitet, was 1785 in dem Werk «Die geheimen Figuren der Rosenkreuzer» zum Ausdruck kam. Nun ist es auch von großer Bedeutung, zu wissen, daß in jedem Jahrhundert die rosenkreuzerische Inspiration so gegeben wird, daß niemals der Träger der Inspiration äußerlich bezeichnet wurde. Nur die höchsten Eingeweihten wußten es. Heute kann zum Beispiel äußerlich nur von solchen Geschehnissen gesprochen werden, welche hundert Jahre zurückliegen, denn das ist die Zeit, welche jeweils verflossen sein muß, bevor davon äußerlich gesprochen werden darf. Die Versuchung ist zu groß für die Menschen, einer solchen ins Persönliche gezogenen Autorität – was das Schlimmste ist, was es gibt – fanatische Heiligenverehrung entgegenzubringen. Es Hegt dies eben zu nahe. Es ist diese Verschwiegenheit aber nicht nur eine Notwendigkeit gegen die äußeren Anfechtungen des Ehrgeizes und des Hochmutes, deren man sich ja vielleicht noch erwehren könnte, sondern auch vor allem gegen die okkulten astralen Attacken, die fortwährend auf eine solche Individualität gerichtet sein würden. Deshalb ist die Bedingung, daß erst hundert Jahre nach einem solchen Faktum davon gesprochen werden darf, eine notwendige.


Das esoterische Christentum und die geistige Führung der Menschheit

GA 130 - Seite 66 (1911/12)


Höhere Selbsterkenntnis

Höhere Selbsterkenntnis

Die höhere Selbsterkenntnis beginnt erst dann, wenn wir anfangen zu sagen: In dem, was unser alltägliches Ich ist, liegt gar nicht unser höheres Selbst. In der ganzen Welt draußen ist es, oben bei den Sternen, bei der Sonne und dem Mond, im Stein, im Tier: Überall ist dasselbe Wesen, das in uns ist. – Wenn einer sagt: Ich will mein höheres Selbst pflegen und mich zurückziehen, ich will nichts wissen von allem Materiellen, dann verkennt er vollständig, daß gerade das Selbst überall draußen ist und daß sein eigenes höheres Selbst nur ein kleiner Teil ist von diesem großen Selbst draußen.

GA 95 (1906) - Seite 139

Christus - Licht der Welt

Christus - Licht der Welt


Im Gefühle der Bedürftigkeit deiner Gnade,
Christus - Licht der Welt,
harre ich
nach Kräften öffnend der Seele Pforten
deiner Erleuchtung.
Still in mir will ich sein
und dir danken deiner Gabe
und sie geben
als dein Geschenk an Menschen.
Werkzeug deines Wortes
will ich sein
mit meiner Seele
besten Kräften
echtem tiefen
stillsten Ehrfurchten.


Rudolf Steiner für Pfarrer Paul Klein - 1914/15
GA 268 - Seite 313

Lichtes Zeitalter

Lichtes Zeitalter

Tatsächlich ist mit dem Ablauf des 19. Jahrhunderts ein neues Zeitalter in der Menschheit schon angebrochen. Die Menschen leben zunächst fort. Wenn Sie eine Kugel haben und sie mit der Hand weiterschieben, so rollt sie; aber wenn Sie die Hand wegtun, so rollt sie weiter. Und so rollt das, was die Menschen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts erlebt haben, vorläufig weiter, wenn auch die Kräfte nicht mehr dahinter sind, nimmt sogar viel üblere Gestalten an, als es in der abgelaufenen Zeit hatte. Aber daneben, neben dem Fortlaufen der alten Zeit geht wirklich schon im Verborgenen in der Welt ein lichtes Zeitalter auf. Es leuchtet herein in die Welt ein lichtes Zeitalter und es ist schon so, daß die ersten Strahlen des lichten Zeitalters von der Anthroposophie aufgefangen werden müssen. 

GA 316 - Seite 185

Philosophie und Anthroposophie

PHILOSOPHIE UND ANTHROPOSOPHIE

Unter Anthroposophie verstehe ich eine wissenschaftliche Erforschung der geistigen Welt, welche die Einseitigkeiten einer bloßen Natur-Erkenntnis ebenso wie diejenigen der gewöhnlichen Mystik durchschaut, und die, bevor sie den Versuch macht, in die übersinnliche Welt einzudringen, in der erkennenden Seele erst die im gewöhnlichen Bewußtsein und in der gewöhnlichen Wissenschaft noch nicht tätigen Kräfte entwickelt, welche ein solches Eindringen ermöglichen. - Eine solche Geisteswissenschaft gilt der anerkannten Philosophie zumeist als eine dilettantische Betrachtungsart. Durch eine kurze Darstellung des Entwicklungsganges der Philosophie versuche ich, zu zeigen, daß dieser Vorwurf völlig unberechtigt ist, und daß er nur erhoben werden kann, weil die gegenwärtige philosophische Betrachtungsart sich in Irrwege verrannt hat, die es ihr, wenn sie sie nicht verlaßt, unmöglich machen, zu erkennen, daß ihre eigenen, wahren Ausgangspunkte von ihr die Verfolgung des Weges fordern, der zuletzt zur Anthroposophie führt.

GA 35 Seite 66

Vegetarische Ernährung


Die vegetarische Ernährung ist ausgezeichnet für Ärzte und Juristen, die dadurch viel eher ihre Patienten beziehungsweise die Geschäfte ihrer Klienten durchschauen werden, aber sie ist nicht das Richtige für Bankiers, Industrielle, Techniker, Handelsleute, kurz für all dasjenige, was mit einer Arbeit des Berechnens im Zusammenhang steht. Man verliert dadurch nämlich die physische Kombinationsfähigkeit. Deshalb sollte der Vegetarismus niemals so allgemein angepriesen werden, wie das oft in der Welt geschieht. Auch ist es möglich, daß man einen solchen Körper durch Vererbung bekommen hat, der den Vegetarismus überhaupt nicht ertragen kann. Dann sollte man eben nicht nach den höheren Übungen streben wollen.

GA 266/1 - Seite 416

Egoismus und Urbild des Menschen



Eins muß sich der Schüler immer wieder sagen: Ich werde nicht Teilnehmer der geistigen Welt sein können, ehe ich nicht gelernt habe, mir zu sagen: ich bin voller Egoismus – und ich kann gar nicht anders hier auf der physischen Welt sein. Das aber, was von mir hier auf der physischen Welt lebt, das ist nur ein Bild, eine Form, die Abbild ist meines Urbildes. Diese Form, dies Bild, ist von Egoismus ganz und gar durchtränkt. Und es ist das Weltenkarma, das uns in unserm Entwicklungsgange durch die Inkarnationen hindurch ganz mit Egoismus durchtränkt. Das Weltenkarma aber ist Gott. Der Gott lebt auch in uns. Und kommen wir soweit, daß wir gut und edel handeln, so ist es der Gott in uns, der uns dazu treibt. Und der Gott in uns der uns gut und edel handeln läßt, lebt in unserm Urbild. Ich selber bin voll Egoismus – aber ich bin dazu vorbestimmt, Abbild zu werden meines göttlichen Urbildes. Dies Urbild ruhte im Schoß der Gottheit – es ist herabgestiegen bis zu dieser physischen Form und diese Form steht unter der Gewalt des Gottes, der über meinem Schicksal, meinem Karma steht, das ist mit Egoismus ganz und gar durchtränkt. Nie, nie darf ich sagen, ich sei ohne Egoismus, das ist niemals wahr – ich kann sogar nicht ohne Egoismus sein auf der physischen Welt. Aber wenn ich hinschauen lerne auf mein aus Gott geborenes Urbild, wenn ich mein Denken, Fühlen und Wollen, all meine Seelenkräfte ganz und gar hineinsterben lasse in dies Urbild, dann darf ich hoffen, den Egoismus in mir zu besiegen und mich meinem Urbild wiederum zu nähern. Wir werden bemerken, daß in demselben Maße, in dem wir selbstloser werden, wir auch physisch kraftvoller werden. Wir werden bemerken, daß wir keine Furcht, keinen Schrecken mehr empfinden, wir werden nicht mehr zusammenzucken in plötzlichem Schreck. Wir werden in unserem ganzen Menschenwesen kraftvoll und stark werden. Erst durch Luzifer und Ahriman entsteht unser Egoismus. Aber es ist nötig, daß dieser in uns lebt und sich voll zum Ausdruck bringt; denn nur so kann sich alles Leben physisch völlig ausgestalten. Aber wir müssen uns bewußt werden, daß jedes Tun bei uns eine selbstische Färbung hat. Unser Mitleiden (sogar) treibt uns zur Hilfeleistung, weil wir eben nicht mitleiden mögen. 

GA 266/2 - Seite 109ff

Goethe

Denn was das Feuer lebendig erfasst
Bleibt nicht mehr Urform und Erdenlast.
Verflüchtigt wird es und unsichtbar,
Eilt hinauf, wo erst sein Anfang war. 

Johann Wolfgang von Goethe

Innen und Außen

Dasjenige, was wir als Gedanken in die Außenwelt hineintragen, bringen wir aus unserem Inneren hervor. Wir sind zunächst dieser Mensch, der als Hauptesmensch konstruiert ist (der wahrnimmt). Dieser sieht auf den Sinnesteppich hin. Im Sinnesteppich drinnen ist dasjenige, was wir durch Gedanken erreichen und zwischen diesem und zwischen dem, was wir in unserem eigenen Inneren haben, was wir nicht wahrnehmen, ist eine Verbindung, gewissermaßen eine unterirdische Verbindung. Daher kommt es, daß wir dasjenige, was wir in der Außenwelt nicht wahrnehmen, weil es in uns hineinragt, aus unserem Inneren in Form des Gedankenlebens hervorholen und in die Außenwelt hineinlegen. So ist es schon mit dem Zählen. Die Außenwelt zählt uns gar nichts vor; die Gesetze des Zählens liegen in unserem eigenen Inneren. Aber daß das stimmt, rührt davon her, daß zwischen diesen Anlagen, die da sind in der Außenwelt und unseren eigenen irdischen Gesetzen, ein unterirdischer Zusammenhang ist, ein unterkörperlicher Zusammenhang, und so holen wir die Zahl aus unserem eigenen Inneren heraus. Die paßt dann zu dem, was draußen ist. Aber der Weg ist nicht durch die Augen, nicht durch unsere Sinne, sondern der Weg ist durch unseren Organismus. Und dasjenige, was wir als Mensch ausbilden, das bilden wir als ganzer Mensch aus. Es ist nicht wahr, daß wir durch die Sinne irgendein Naturgesetz erfassen; wir erfassen es als ganzer Mensch.


GA 205 - Seite 197f

Liebe als Mission der Erde


Nun ist es so, daß die Dinge, die sich, in unserer physischen Welt in einer gewissen Weise darstellen, sich da oben ganz anders ausnehmen. Man darf sagen, auch die Götter profitieren von jener Teilnahme an der Menschheit. Wir müssen uns da eine Vorstellung aneignen, die nicht so ganz leicht ist, die man aber notwendig hat, wenn man das Verhältnis des Menschen zu der Welt verstehen will. Wir haben gesagt, daß die Erde der Planet der Liebe ist; und richtig ausgebildet wird die Liebe erst auf der Erde. Sie wird, grob ausgedrückt, gezüchtet; und durch ihre Teilnahme an den Menschen lernen die Götter ebenso die Liebe kennen, wie sie in einer anderen Beziehung sie schenken. Das ist schwer sich vorzustellen. Es ist durchaus möglich, daß ein Wesen in ein anderes Wesen eine Gabe förmlich einträufelt, und diese Gabe durch das andere Wesen erst kennenlernt. Denken Sie sich eine ungeheuer reiche Persönlichkeit, die nie etwas anderes kennengelernt hat als Reichtum, ohne jene tiefe seelische Befriedigung, die Wohltun verursachen kann. Und nun tut diese Persönlichkeit wohl; sie schenkt einer armen Persönlichkeit etwas. In der Seele dieser armen Persönlichkeit wird durch die Geschenke der Dank bewirkt, und dies Dankesgefühl ist auch eine Gabe: es wäre nicht da, wenn die reiche Persönlichkeit nicht geschenkt hätte. Die reiche Persönlichkeit hat aber das Dankesgefühl nicht gefühlt, sondern sie hat es hervorgebracht. Sie ist die Geberin des Dankesgefühls, aber kennenlernen kann die reiche Persönlichkeit dieses Dankesgefühl erst in der Reflexion, wenn es zurückstrahlt von denen, in denen sie es entzündet hat. So ist es ungefähr mit der Gabe der Liebe, die von den Göttern den Menschen eingeträufelt wird. Die Götter sind so weit, daß sie im Menschen die Liebe entzünden können, so daß die Menschen imstande sind, die Liebe erleben zu lernen, aber die Götter lernen die Liebe als Realität erst durch die Menschen kennen. Sie tauchen von den Höhen herunter in den Ozean der Menschheit und fühlen die Wärme der Liebe. Ja, wir wissen, daß die Götter etwas entbehren, wenn die Menschen nicht in Liebe leben, daß sozusagen die Götter ihre Nahrung in der Liebe der Menschen haben. Je mehr Liebe der Menschen auf der Erde, desto mehr Nahrung der Götter im Himmel - je weniger Liebe, desto mehr Hunger der Götter. Das Opfer der Menschen ist im Grunde genommen nichts anderes als das, was zu den Göttern hinaufströmt als die in den Menschen erzeugte Liebe. 

Welt, Erde und Mensch

GA 105 - Seite 146ff

NEUNTER VORTRAG - 1908

Liebe...


Wie steht es eigentlich mit dem Lieben? Wenn der Hellseher dieses erforscht, dann kann er zu bitteren Erfahrungen kommen, solange er diese Erfahrungen nicht im Lichte eines noch größeren Ganzen betrachtet. Nehmen wir an, zwei Menschen werden geboren, die durch ihr Karma dazu gehalten sind, in diesem Leben einander zu lieben. Dann kann der Hellseher oftmals beobachten, daß vor der Geburt dieser Menschen in der geistigen Welt die beiden einander gehaßt haben. Oder eine Mutter bekommt ein Kind, das sie, nach der weisen Einrichtung der Weltenordnung, mit Liebe erzieht. Aber bevor sie geboren war, hat sie das Kind vielleicht gehaßt. Hier kommen wir auf ein Gebiet, wo die weise Weltenlenkung gerade besonders weise vorgegangen ist. Das, was die Menschen in «Liebe» aneinander bindet, ist nämlich in weitaus den meisten Fällen Egoismus. Man liebt den andern, weil man es als angenehm empfindet, in der Nähe des geliebten Wesens zu sein. Die guten Götter haben den Egoismus gebrauchen müssen, um die Menschen in Liebe zu erziehen. Ohne dieses Mittel des Egoismus zu ergreifen - nachdem der luziferische Einfluß nun einmal gekommen war -, könnten keine Menschen dazu gebracht werden, karmische Bande durch Liebeverhältnisse auszuwirken; die Mutter würde das Kind, das karmisch mit ihr verbunden ist, gar nicht zur Welt bringen wollen und so weiter. So ist in dieser Welt wirklich alles umgekehrt; die Liebe ist von Luzifer und Ahriman, der Egoismus von den fortschreitenden Göttern gegeben, damit durch die Veredlung des Egoismus die Menschen zu wahrer Liebe gelangen können. Es wird das hier gesagt, um damit auf das Folgende hinzuweisen. Es kommen oft angehende Esoteriker und klagen über die Gedanken, die sie bei ihrer Meditation bestürmen. Das ist eigentlich ein Zeichen des Fortschrittes, daß man diese Gedanken spürt; es beweist, daß wir Luzifer und Ahriman nicht mehr nur in uns selber haben, sondern daß wir anfangen, sie als Mächte außer uns wahrzunehmen, denn solche heraufziehenden Gedanken sind ganz von Luzifer und Ahriman. Wenn alles so geblieben wäre, wie es ursprünglich beabsichtigt war, dann hätte nach der luziferischen Versuchung der Mensch seine Gedanken niemals vergessen können. Er hätte immer Zutritt gehabt zu der Akasha-Chronik, aber es wären Luzifer und Ahriman gewesen, die diese Chronik für ihn aufgeschrieben hätten. Daher mußten die guten Götter es so einrichten, daß der Mensch seine Gedanken auch vergessen kann. Alles, was so in das Unbewußte hinuntersinkt, ist abgestorben, aber das alles fressen Luzifer und Ahriman. Sie machen es zu einem Teil ihres Wesens, und als luziferische und ahrimanisehe Natur kommt es bei den Menschen wieder heraus in der Meditation. Sobald jemand sich zum Meditieren anschickt, steigt bei Luzifer die Hoffnung auf: Vielleicht werde ich doch noch in der Welt siegen! Und dann bestürmt er den Menschen mit dessen abgelegten Gedanken. Das liebt der Mensch eigentlich, dieses Gehen von Gedanken zu Gedanken, und die Kontemplation, das In-sich-erfüllt-Bleiben mit einem Gedankeninhalt, das liebt er nicht. Man beobachte einmal, wie lange ein Nicht-Esoteriker (bei einem Esoteriker ist noch ein gewisser [selbstauferlegter] Zwang dazu vorhanden) einen Vorsatz ausführt, um zum Beispiel, so wie der Essäerschüler, jeden Morgen für das Aufgehen der Sonne zu danken, wenn er sich dieses freiwillig vorgenommen hat. Wie wenige werden es weiter als einige Tage bringen! In Wirklichkeit liebt der Mensch den Geist überhaupt nicht. Er muß sich mit Gewalt dazu zwingen, bestimmte Gedanken durch längere Zeit in seiner Seele zu behalten. Luzifer und Ahriman sind es eigentlich, die der Mensch in Wahrheit liebt.

Als Protest gegen diese Tatsache haben wir unseren Rosenkreuzerspruch:

Ex Deo naseimur
In Christo morimur
Per Spiritum Sanctum reviviseimus 

GA 266c - Seite 146ff

Schulung

Worauf es vor allem ankommt in der esoterischen Entwicklung das ist, daß wir versuchen müssen, alle Schmerzen, Leiden und Angstzustände usw. geduldig zu ertragen, indem wir innerlich fest stehen. Dies ist eine erste, große Bedingung. Es ist kein gutes Zeichen für den Esoteriker, wenn er viel klagt und alle möglichen Kuren anwendet für seine Leiden. Wir müssen uns vielmehr klarmachen, daß eine Veränderung unserer Wesensglieder bei uns sich vollzieht, die eben derartige Zustände von Angst und Schmerzen hervorruft. Auch alle möglichen Nervenangelegenheiten können dadurch beobachtet werden, wie z. B. Platzangst usw. Dies alles kann uns überfallen. Dagegen ist notwendig, sich zum klaren Bewußtsein zu bringen, daß dies(e Beurteilung des Erlebens) alles Maya ist, Illusion, und daß diese und ähnliche Erscheinungen in Wirklichkeit eine Stärkung bedeuten für später auftretende, zu überwindende Schwierigkeiten in der inneren Entwicklung.

GA 266/2 - Seite 236f

Eingeweihte

Eingeweihte

Es ist aus gewissen Gründen außerordentlich schwierig, der Welt gewisse Tatsachen über die geistigen Verhältnisse mitzuteilen. Die Menschen sind nicht vorbereitet genug, sie haben in sich nicht die Begriffe, um in entsprechender Art solche Mitteilungen aus der geistigen Welt entgegenzunehmen, und leicht werden solche Mitteilungen in das Gegenteil verkehrt. So kommt es, daß gerade in der Gegenwart der in die geistige Welt Eingeweihte über die wichtigsten Dinge in vieler Beziehung schweigen muß. Man kann nicht einmal sagen, was geschehen würde, wenn über die wichtigsten Dinge einer völlig unreifen Menschheit gegenüber dieses oder jenes gesagt würde. Aber ein Fall, der sehr häufig vorkommt, ist der folgende: Verhandelt werden muß immer nach gewissen Weltgesetzen über die spirituellen Dinge. Wenn nun mit den Lebenden schlecht zu verhandeln ist, wie in der Gegenwart, so ist sehr häufig die Verhandlung mit den Toten eine um so regere, eine um so intensivere. Und man kann sagen: vielleicht war in wenigen Zeiten das Zusammenwirken, das bewußte Zusammenwirken des physischen Planes mit der geistigen Welt, in welche die Verstorbenen versetzt sind, ein so reges, wie es in der Gegenwart sein kann. Aber nehmen wir an, irgendwo findet eine Verhandlung statt, die nur sein kann zwischen einem Wissenden auf dem physischen Plan und einem Verstorbenen. Dann kann gewissermaßen eine transzendente Indiskretion geschehen. Es können zwei Fälle eintreten. Nicht nur hier auf dem physischen Plane gibt es Horcher, die durch Schlüssellöcher horchen, sondern auch unter den Wesen der geistigen Welt gibt es Horcher, die Geister niederer Art sind, die aber eigentlich immer darauf aus sind, allerlei spirituelle Tatsachen dadurch zu erfahren, daß sie horchen, daß sie namentlich das auffangen, was zwischen Wesen des physischen Planes und der geistigen Welt gesprochen wird. Da kann dann der eine Fall eintreten: Wenn ein Mensch besonders leidenschaftlich ist, von seinen Leidenschaften besonders ergriffen wird, so daß man von ihm sagt: er ist außer sich –, was ja durch Leidenschaft öfter vorkommt, oder wenn er betrunken ist, richtig physisch betrunken ist, oder wenn er in einem Ohnmachts- oder dergleichen Zustande ist, dann können solche Geister die Gelegenheit benutzen und über ihn kommen; und was sie ihm dann einimpfen, das kann ihm in Form einer Vision gleichzeitig oder später auftreten, und er kann dadurch allerlei erlauschen, was er nicht hören sollte. Wer Sinn und Beobachtungsgabe für so etwas hat, der weiß, daß heute in allen möglichen Büchern unserer Literatur Unzähliges geschrieben wird, Unzähliges vorhanden ist, insbesondere in mancher höchst zweifelhaften Literatur, was auf allerlei verkehrte Art durch Indiskretion aus dem geistigen Verkehr her stammend ist. Es kann nichts Wirksameres geben, als wenn irgendein Kobold den Schreiber eines Detektivromans, wenn er gerade betrunken ist, von sich besessen macht, in seine Menschlichkeit hineingeht, ihm irgendeinen Satz eingibt, so daß er diesen Satz in seinem Detektivroman unterbringt. Dieser Roman gelangt dann zu den Menschen, und jener Satz kann dann ganz besonders in den Menschenseelen wirken, kann insbesondere dadurch wirksam werden, weil er durch die Art, wie die Menschen solche Dinge aufnehmen, nicht das volle Bewußtsein ansprechend ist, sondern an sich schon etwas zum Unterbewußtsein Sprechendes ist. Das andere, was geschehen kann, ist, daß in irgendwelchen spiritistischen Sitzungen durch dieses oder jenes Medium das eine oder das andere geschildert wird, und dann mischt sich in das, was durch das Medium zutage tritt, die Kundgebung eines solchen Geistes hinein, der da seine Indiskretion unterbringen will.

GA 176 - Seite 304f

Unterhaltungskünstler - Helmut Zander im Gespräch


Ein Unterhaltungskünstler erklärt uns die Anthroposophie...

Interviews mit Helmut Zander...

 

Kulturzeit Interview mit Zander zu Waldorfschulen


 

Rudolf Steiner - Radiodiskussion zum 150. Geburtstag mit einem Unterhaltungskünstler

Teil 1/3

 

 Teil 2/3

  

Teil 3/3

 

Eingeweihte


Der Träger des übersinnlichen Wissens möchte am liebsten so wenig als nur irgend möglich für die Gewinnung von Anhängern tun. Die Gefühle des Fanatikers, des Sektenstifters sind ihm ganz und gar fremd. Und je mehr er sich auch in der Gegenwart an diese seine Grundgesinnung halten kann, desto mehr wird er es tun. Doch verbieten ihm eben die Verhältnisse der Gegenwart, sich ganz an dieses Prinzip zu halten. Er muß an die Offentlichkeit treten. Aber er hält seine Gesinnung doch insoweit aufrecht, daß er in keinem anderen Sinne an die Offentlichkeit tritt, als in dem, daß er sagt: «Dies oder jenes habe ich mitzuteilen aus dem Bereich der übersinnlichen Welten; ich sage es, weil es vor der Welt gesagt werden muß. Wer diesen Dingen nähertreten will, der muß es ganz allein deshalb tun, weil er es selber will. Ich werbe nicht um Anhänger; aber ich komme jedem nach Möglichkeit entgegen, der etwas von den Erkenntnissen höherer Welten begehrt.» Man kann sagen: der Fanatiker wirbt um Anhänger; der Träger übersinnlicher Erkenntnisse wartet ganz ruhig, bis sie von selbst kommen. Das erscheint in der Theorie zunächst ganz einfach; in der Praxis ist es gar nicht leicht. Er dränge keusch jene Begeisterung zurück, die sich dem gegenwärtigen Menschen auf so natürliche Art ergibt: das der Welt mitzuteilen, was er selbst als seine heilige Überzeugung im Herzen trägt. Zur Mitteilung darf den Träger des Geheimwissens eben gar nichts anderes reizen, als daß der einzelne Mensch, oder die Menschen, die in Frage kommen, die entsprechenden Mitteilungen zum Heile ihrer Seele und ihres ganzen Menschen brauchen.

GA 34 - Seite 285f

Meditation


Wir möchten gern die Stimmung des Meditierens auf unser gesamtes Leben ausdehnen. Das geht aber nicht, weil wir dann unbrauchbar für das physische Leben werden. Nimmt ein Mensch sich das Privilegium heraus, sein jetziges Leben ganz der Meditation zu weihen, also ein Kloster- oder Mönchsleben zu führen, so wird er im nächsten Leben um so mehr vor die Aufgabe gestellt, im praktischen Leben trotz vielleicht verstärkter geistiger Kräfte tätig zu sein.


GA 266/2 - Seite 312

Anthroposophie & Christentum

Weisheit & Liebe


So steht das Christentum da nicht als eine Religion, die eine Stam- mesreligion wäre, sondern es steht da als eine Menschheitsreligion, wenn es richtig verstanden wird. Indem der Christ sich eins fühlt mit dem «Vater», steht Seele der Seele gegenüber, gleichgültig welchem Stamme sie angehört. So werden alle Schranken fallen müssen unter den Einwirkungen des Christentums, und der Jupiterzustand muß vor- bereitet werden unter den Einwirkungen dieses Prinzips. Daher hat das Christentum begonnen als Religion, denn die Menschheit war auf Religion gebaut. Religion aber ist etwas, was im Laufe der Mensch- heitsentwickelung abgelöst werden muß durch Weisheit, durch Er- kenntnis. Insofern Religion auf Glauben gebaut ist und nicht von der vollen Erkenntnis durchglüht ist, ist sie etwas, was im Laufe des Menschheitsfortschrittes abgelöst werden muß. Und während der Mensch früher glauben mußte, um zum Wissen zu kommen, wird in Zukunft volle Erkenntnis leuchten, und der Mensch wird wissen und von da aus aufsteigen zur Anerkennung der höchsten geistigen Welten. Von der Religion entwickelt sich die Menschheit zu der von der Liebe wieder durchglühten Weisheit. Erst Weisheit, dann Liebe, dann von der Liebe durchglühte Weisheit.


Das Hereinwirken geistiger Wesenheiten in den Menschen (1908)

Christentum und Karma

 
Wir müssen zunächst eine Unterscheidung machen. Wir müssen das eine betrachten, was sich in einer objektiven Gerechtigkeit im Karma vollzieht. Da müssen wir uns ganz klar darüber sein, daß der Mensch allerdings seinem Karma unterworfen ist, daß er dasjenige, was er als Unrecht getan hat, karmisch auszugleichen hat. Und bei tieferem Nachdenken wird der Mensch eigentlich nicht anders wollen, als daß es so sei. Denn nehmen Sie an, irgend jemand habe ein Unrecht getan. In dem Augenblick, wo er dieses Unrecht tun konnte, ist er unvollkommener, als wenn er es nicht getan hatte, und er kann den Grad von Vollkommenheit, den er hatte, bevor er das Unrecht tat, erst wiedererringen, wenn er das Unrecht ausgleicht. Er muß also wünschen, das Unrecht auszugleichen, denn nur indem man es ausgleicht, indem man den Ausgleich erarbeitet, schafft man sich den Grad von Vollkommenheit, den man vorher hatte, bevor man die Tat vollbracht hat. So können wir um unserer eigenen Vervollkommnung willen gar nichts anderes wünschen, als daß das Karma als objektive Gerechtigkeit bestehe. Es kann also im Grunde genommen vor der Auffassung der menschlichen Freiheit gar nicht der Wunsch entstehen, es solle uns irgendwelche Sünde vergeben werden etwa in dem Sinne, daß wir zum Beispiel heute einem Menschen die Augen ausstechen und uns dann diese Sünde vergeben wird, wir dann diese Sünde in unserem Karma nicht mehr abzutragen brauchen. Ein Mensch, der einem anderen die Augen aussticht, ist unvollkommener als ein Mensch, der es nicht getan hat, und im weiteren Karma muß das eintreten, daß er eine entsprechende Guttat dafür tut; dann erst ist er wiederum in sich der Mensch, der er war, bevor er die Tat vollbracht hat. Also es kann im Grunde genommen gar nicht der Gedanke aufkommen, wenn man wirklich über das Wesen des Menschen nachdenkt, daß, wenn man einem Menschen die Augen aussticht, einem das vergeben wird und daß dann das Karma etwa ausgeglichen wäre. So hat es mit dem Karma durchaus seine Richtigkeit, daß uns gewissermaßen kein Heller nachgelassen wird, daß wir alles bezahlen müssen. Aber es gibt ja noch etwas anderes gegenüber der Schuld. Die Schuld, die wir auf uns laden, dit Sünde, dit wir auf uns laden, die ist ja nicht bloß unsere Tatsache, das müssen wir jetzt unterscheiden, sondern sie ist eine objektive Weltentatsache, sie ist etwas auch für die Welt. Dasjenige, was wir verbrochen haben, das gleichen wir in unserm Karma aus; aber daß wir einem die Augen ausgestochen haben, das ist geschehen, das hat sich wirklich vollzogen, und wenn wir, sagen wir, in der jetzigen Inkarnation einem Menschen die Augen ausstechen und dann in der nächsten Inkarnation etwas tun, was dieses ausgleicht, so bleibt das doch für den objektiven Weltengang bestehen, daß wir vor soundsoviel Jahrhunderten einem die Augen ausgestochen haben. Das ist eine objektive Tatsache im Weltenganzen. Für uns gleichen wir sie später aus. Den Makel, den wir uns selbst zugefügt haben, gleichen wir im Karma aus, aber die objektive Weltentatsache, die bleibt bestehen, die können wir nicht auslöschen dadurch, daß wir von uns selbst die Unvollkommenheit nehmen. Wir müssen unterscheiden die Folgen einer Sünde für uns selbst, und die Folgen einer Sünde für den objektiven Weltengang. Das ist außerordentlich wichtig, daß wir diese Unterscheidung machen. Und nun darf ich vielleicht eine okkulte Betrachtung einfügen, welche die Sache etwas verständlicher machen kann. Wenn man anblickt die Zeit der Menschheitsentwickelung seit dem Mysterium von Golgatha, und man kommt, ohne durchdrungen zu sein mit der Christus-Wesenheit, an die Akasha-Chronik heran, so wird man sehr leicht irre - sehr leicht wird man irre. Denn in dieser Akasha-Chronik zeigen sich Aufzeichnungen, die sehr häufig nicht stimmen mit dem, was man in der karmischen Evolution der einzelnen Menschen findet. Ich meine das Folgende: Nehmen wir an, im Jahre 733 meinetwillen habe irgendein Mensch gelebt und habe dazumal eine schwere Schuld auf sich geladen. Nun untersucht man die Akasha-Chronik, zunächst ohne daß man irgend etwas von einer Verbindung hat mit dem Christus. Und siehe da, man kann die betreffende Schuld nicht finden in der Akasha-Chronik. Geht man aber jetzt auf den Menschen ein, der weiter gelebt hat, und untersucht sein Karma, dann findet man: Ja, auf dieses Menschen Karma ist noch etwas, was er abzutragen hat; das müßte an einem bestimmten Zeitpunkt in der Akasha-Chronik darinnen stehen; es steht aber nicht darinnen. Wenn man das Karma untersucht, sieht man: Ja, er hat es abzutragen, man müßte in jener Inkarnation die Schuld in der Akasha- Chronik finden, sie steht aber nicht darinnen. Welch ein Widerspruch! Eine ganz objektive Tatsache, die in zahlreichen Fallen sich ergeben kann. Ich kann heute einem Menschen begegnen. Wenn es mir durch Gnade gegeben wird, etwas zu wissen über sein Karma, so kann ich vielleicht finden, daß irgendein Unglück oder ein Schicksalsschlag, der ihn trifft, auf seinem Karma steht, daß es der Ausgleich ist für eine frühere Schuld. Gehe ich der Sache nach in frühere Inkarnationen und prüfe, was er dazumal gemacht hat, so sehe ich in der Akasha- Chronik diese Tatsache nicht verzeichnet. Woher kommt denn das? Das kommt davon her, daß der Christus tatsächlich auf sich genommen hat die objektive Schuld. In dem Augenblick, wo ich mich mit dem Christus durchdringe, wo ich mit dem Christus die Akasha- Chronik durchforsche, finde ich die Tatsache! Christus hat sie in sein Reich genommen und trägt sie als Wesenheit weiter, so daß, wenn ich von Christus absehe, ich sie nicht finden kann in der Akasha- Chronik. Man muß sich diesen Unterschied merken: Es bleibt bestehen die karmische Gerechtigkeit, aber in bezug auf die Wirkungen einer Schuld in der geistigen Welt tritt der Christus ein, der diese Schuld in sein Reich hinübernimmt und weiterträgt. Der Christus ist derjenige, der in der Lage ist, weil er einem anderen Reiche angehört, unsere Schulden und unsere Sünden in der Welt zu tilgen, sie auf sich zu nehmen. Wie sagt dann also im Grunde genommen der Christus am Kreuze. 


Christus und die menschliche Seele

Über den Sinn des Lebens
Theosophische Moral

Anthroposophie und Christentum 

1912/1914

GA 155 - Seite 182ff.

AnthropoZOFFie

AnthropoZOFFie